Studie: Pädagogen in Kitas stehen unter Generalverdacht, keine “richtigen Männer” zu sein
23. März 2012 Aktuell Leave a comment
WIEN | Das österreichische Forschungsprojekt „Elementar“ hat in den Jahren 2008-2010 die Situation männlicher Pädagogen im Elementarbereich umfassend untersucht. Die vielfältigen Ergebnisse betonen die Chancen, die mit einer Beteiligung von Männern verbunden sind, fordern aber auch zu einer kritischen und differenzierten Auseinandersetzung mit der Genderthematik im Elementarbereich auf.
Aufbauend auf einem umfangreichen Überblick über den aktuellen Forschungsstand wurden sowohl Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildende als auch in der Praxis tätige Pädagoginnen und Pädagogen mit quantitativen und qualitativen Verfahren befragt. Männliche Auszubildende und Fachkräfte wurden durch eine Vollerhebung erfasst. Die Ergebnisse wurden mit statistischen Verfahren und qualitativen Inhaltsanalysen ausgewertet. Erstmals wurden zudem biografische Hintergründe und Identitäten männlicher Elementarpädagogen psychoanalytisch untersucht.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass männliche Pädagogen in der Praxis und bei Eltern sehr erwünscht sind und die pädagogische Arbeit in Kitas wesentlich bereichern können. Dem stehen jedoch oft Vorurteile und Unsicherheiten gegenüber, die Jungen und Männern den Einstieg ins Arbeitsfeld erschweren. Dazu gehört nicht zuletzt der „Generalverdacht“, dass Männer im Kindergarten keine „richtigen“ Männer, schwul oder sogar pädophil und mögliche Sexualtäter seien.
Ausgehend von ihren Ergebnissen formulieren die Autoren und Autorinnen konkrete Handlungsaufforderungen an Forschung, Praxis und Politik und stellen diese nun auch in Buchform vor.
Elementar – Männer in der pädagogischen Arbeit mit Kindern, 2012, 500 Seiten, Maße: 17,4 x 24,2 cm, Kartoniert (TB), Deutsch, Herausgegeben von Aigner, Joseph C.; Rohrmann, Tim; Verlag Budrich ISBN-10: 3866494882, ISBN-13: 9783866494886
Ärzte ohne Grenzen: Multiresistente Tuberkulose breitet sich rasant aus
20. März 2012 Aktuell Leave a comment
BERLIN | Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fordert ein koordiniertes internationales Vorgehen zur Bekämpfung von Formen der Tuberkulose, gegen die herkömmliche Medikamente unwirksam sind. Die Organisation ruft Regierungen, internationale Organisationen und Pharmaunternehmen nachdrücklich auf, mehr Geld zur Behandlung der multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB) zur Verfügung zu stellen und wirksame und bezahlbare Medikamente sowie Tests zu entwickeln. Alarmierende Daten aus den Projekten der Organisation zeigen, dass entsprechende Bakterienstämme viel weiter verbreitet sind als bisher angenommen.
“Wir brauchen neue Medikamente, mehr Forschung, mehr Behandlung und ein klares Bekenntnis von Regierungen und internationalen Organisationen, diese tödliche Krankheit zu bekämpfen”, erklärt Unni Karunakara, internationaler Präsident von Ärzte ohne Grenzen. “Nur so können mehr Menschen getestet, behandelt und geheilt werden. Die Welt kann es sich nicht leisten, der Ausbreitung von multiresistenter Tuberkulose untätig zuzusehen. Wir müssen sofort handeln.”
Weltweit haben nur fünf Prozent der Tuberkulosepatienten Zugang zu einer Untersuchung auf resistente Formen der Krankheit. Nur schätzungsweise zehn Prozent der MDR-TB-Patienten werden mit den nötigen Medikamenten behandelt.
Im Norden Usbekistans etwa hat Ärzte ohne Grenzen im Jahr 2011 bei 65 Prozent der Tuberkulosepatienten MDR-TB diagnostiziert. Ein weltweit außergewöhnlich hoher Anteil war zuvor noch nicht in Behandlung gewesen. Das deutet darauf hin, dass resistente Krankheitsformen nicht mehr nur durch fehlerhafte Behandlung entstehen, sondern sich durch Ansteckung weiterverbreiten. In der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal hat sich die Zahl der diagnostizierten TB-Fälle nach der Einführung eines schnellen Testverfahrens mehr als verdreifacht. Mehr als 13 Prozent der Patienten zeigen Resistenzen gegen das gebräuchliche Tuberkulosemedikament Rifampicin. In Indien infizieren sich schätzungsweise etwa 99.000 Patienten im Jahr mit MDR-TB. Nur etwa jeder hundertste erhält eine angemessene Behandlung.
“Wo auch immer wir unsere Patienten auf multiresistente Tuberkulose testen, stoßen wir auf eine alarmierend hohe Verbreitung. Wir vermuten deshalb, dass die bisherigen Statistiken nur an der Oberfläche des Problems kratzen”, erklärt Karunakara. “Anstatt die Anstrengungen zur Diagnose von MDR-TB auszuweiten, schränken Regierungen und internationale Organisationen die Finanzierung ein – zu einem Zeitpunkt, an dem wir dringend mehr Geld bräuchten.”
Insbesondere der Geldmangel beim Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria führt dazu, dass oft keine finanziellen Mittel für neue Tuberkuloseprogramme zur Verfügung stehen. Das gefährdet zum Beispiel die geplante Behandlung von 10.000 MDR-TB-Patienten in Myanmar in den kommenden fünf Jahren. Im früheren Birma infizieren sich jedes Jahr schätzungsweise 9.300 Menschen mit MDR-TB, bis jetzt werden insgesamt aber nur 300 Patienten behandelt.
Für die Tuberkulosebekämpfung fehlen seit langem angemessene und bezahlbare Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. Die Therapie von MDR-TB dauert bis zu zwei Jahre und kostet mehrere tausend Euro pro Patient. Die Medikamente wurden Mitte des vergangenen Jahrhunderts entwickelt und sind schwer verträglich. Ein neuer Schnelltest, der die Früherkennung von MDR-TB in armen Ländern deutlich steigern könnte, wird wegen der hohen Kosten kaum eingesetzt. Gerade dort könnte eine Diagnose innerhalb weniger Stunden – statt mehrerer Wochen – Menschenleben retten.
Dringend benötigt werden Medikamente, die eine kürzere und verträglichere Behandlung ermöglichen, Arzneimittel für Kinder sowie einfache und schnelle Diagnoseverfahren. Die Behandlungsrichtlinien müssen konkretisiert werden, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit durch fehlerhafte Therapien zu verhindern.
Tuberkulose ist eine der großen Infektionskrankheiten. Weltweit waren im Jahr 2010 etwa 12 Millionen Menschen an TB erkrankt, etwa 1,5 Millionen sind im Jahr 2010 daran gestorben. Derzeit gibt es schätzungsweise 650.000 Patienten mit MDR-TB. Viele Patienten sind sowohl mit HIV als auch mit TB infiziert. Die Behandlung dieser Patienten ist besonders schwierig, weil die Medikamente Wechselwirkungen hervorrufen.
Ärzte ohne Grenzen hat im vergangenen Jahr mehr als 25.000 Tuberkulosepatienten in 29 Ländern behandelt. Die Zahl der Patienten mit resistenter TB lag im Jahr 2010 bei 1.096.
Fehlende Bindung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer
20. März 2012 Aktuell Leave a comment
BERLIN | Deutlich mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat sie zu ihrem derzeitigen Arbeitgeber nur eine schwache bis überhaupt keine Bindung ausgeprägt. Dies ergab eine Umfrage über das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer unter 352 Teilnehmern auf dem Internetportal für Arbeitgeber Bewertungen www.Jobvoting.de im Januar bis März 2012.
Demnach haben insgesamt 55% der befragten Umfrageteilnehmer entweder ein schwache oder keine Bindung zu ihrem jetzigen Unternehmen. Die Frage, wie sie ihr Verhältnis zu ihrem Arbeitgeber sehen, antworteten 15% mit “schwache Bindung” und mit 24% fast ein Viertel mit “sehr schwache Bindung”. Hinzu kommen noch einmal 16% der Befragten, die gar keine Bindung zu ihrem Arbeitgeber empfinden. Das Problem für diese schwach ausgeprägten Bindungen liegt auf der Hand: Die Unternehmen werden lediglich als Geldquelle mittels der monatlichen Gehaltszahlungen angesehen, der Gang zur Arbeit als notwendiges Übel. Motivation und damit auch die Arbeitsleitung werden auf ein Maß zurückgeschraubt, dass der Arbeitsplatz gesichert bleibt.
Diese meist unzufriedenen Mitarbeiter sind durch die schwache Mitarbeiterbindung nur wenig an das Unternehmen gebunden und evtl. bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit weg. Insbesondere bei Fachkräften eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Deutlich positiver sind hier die Antworten zu werten, die eine enge Bindung zu ihrem Arbeitgeber aufgebaut haben. Etwa 22% der Arbeitnehmer empfindet immerhin eine mittelmäßige Bindung zu ihrem Arbeitgeber. Weitere 13% sagen bereits aus, dass sie erfreulicherweise eine enge Bindung zu ihrem Unternehmen und dem Team aufgebaut haben. Hinzu kommen noch einmal 10%, die eine sehr enge Bindung zu ihrem Arbeitgeber haben.
Hier scheint soweit alles zu stimmen: Auf der einen Seite die richtige Einstellung des Arbeitnehmers, auf der anderen Seite die richtigen Anreize zur Mitarbeiterzufriedenheit wie Gehalt, Arbeitszeiten, Arbeitsatmosphäre, Personalführung etc. Will man als Unternehmen diese Form der Bindung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufbauen, empfiehlt sich stets das so genannte Employer Branding. Mit diesem Werkzeug können Unternehmen ihre Marke als attraktiver Arbeitgeber auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen wie Jobvoting.de aufbauen oder stärken. Informieren Sie sich zu Möglichkeiten von Personalmarketing bzw. Employer Branding in der Rubrik “Für Arbeitgeber” auf Jobvoting.de.
JOBvoting.de (http://jobvoting.de/news/singleviewN.php?uid=995) ist seit 2006 das führende deutschsprachige Meinungs- und Businessportal für von Arbeitnehmern erstellte Jobbewertungen und redaktionelle Arbeitgeberbewertungen. Die Leser können sich vorab anhand der veröffentlichten Erfahrungsberichte über ihre potenziellen neuen Arbeitgeber informieren. Darüber hinaus bietet JOBvoting.de noch weitere Web2.0 Funktionen, wie z.B. das Arbeitnehmer-Forum oder die JobBlogs. In regelmäßigen Abständen werden Umfragen durchgeführt, mit denen die Situation am deutschen Arbeitsmarkt näher untersucht wird.
Sommerblut 2012: Festival der Multipolarkultur mit Schwerpunktthema Demenz
20. März 2012 Aktuell Leave a comment
KÖLN | Das Sommerblut Kulturfestival präsentiert in diesem Jahr vom 10. bis 28. Mai über 60 Veranstaltungen aus den Bereichen Theater, Tanz, Literatur, Musik, Kabarett/ Comedy und genreübergreifender Art. An 25 Veranstaltungsorten in ganz Köln zeigen mehr als 500 nationale und internationale Künstler ein Kunst- und Kulturprogramm, welches die unterschiedlichsten gesellschaftlichen, sozialen und politischen Standpunkte und Identitäten miteinander verbindet. Sommerblut präsentiert damit ein neues Profil als “Festival der Multipolarkultur”. Das inklusive Kulturfestival nähert unterschiedliche Sichtweisen einander an, die verstörend, aber auch wieder verbindend oder versöhnend sein können. Sommerblut lädt ein zu einem Perspektivwechsel in Richtung einer grenzüberschreitenden, mutigen, einer multipolaren Kunst und Kultur.
Der Schwerpunkt des Sommerblut Kulturfestivals 2012 ist das gesellschaftspolitische Thema Demenz. Mit dem Theaterprojekt “Anderland” der Regisseurin Barbara Wachendorff und einem umfangreichen Rahmenprogramm für demenzkranke Menschen und ihre Angehörigen solidarisiert sich Sommerblut mit dem persönlichen Schicksal der Betroffenen. Weitere Höhepunkte sind die Brustkrebs-Gala “Pink Ribbon meets…” mit Brustkrebs Deutschland e.V. und Susan G. KOMEN Deutschland e.V., die Contergan-Gala “Begegnungen” und der Kölner Dialog-Tag mit dem Interessenverband Contergan- geschädigter und deren Angehörige e.V., die Black out-Gala “See the light” mit Blinde und Kunst e.V. und die künstlerische, dialogische, spirituelle Feier “Wir sind Menschen”. Sommerblut endet mit dem großen “Kulturfinale”.
Das Sommerblut Kulturfestival geht mit einer neuen Internetseite ins Festivaljahr 2012. Unter www.sommerblut.de bietet das Festival seinen Besuchern mit der klaren Userführung, neuen Suchmöglichkeiten nach Veranstaltungsorten, Veranstaltungen und Künstlern sowie dem Online-Ticket-Service einen umfangreichen Online-Service.
Tickets zu allen Veranstaltungen gibt es auf www.sommerblut.de und bei KölnTicket mit den dazugehörigen Vorverkaufsstellen www.koelnticket.de.
Neues Entgeltsystem für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen geplant
19. März 2012 Aktuell Leave a comment
BERLIN | Die Bundesregierung will das Entgeltsystem für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen reformieren. Sie hat dazu einen Gesetzentwurf (17/8986) vorgelegt, nach dem künftig die voll- und teilstationäre Behandlung psychisch kranker Menschen nicht mehr krankenhausindivduell vereinbart, sondern nach bundeseinheitlichen Entgelten vergütet werden soll. “Die heutige krankenhausindividuelle Mischfinanzierung der psychiatrischen und psychosomatischen Krankenhausleistungen erlaubt keinen Rückschluss auf die Leistungsgerechtigkeit der Finanzierung”, heißt es in dem Entwurf. Deshalb solle “ein leistungsorientiertes und pauschalierendes Entgeltsystem” in psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen eingeführt werden.
Mit der Neuregelung würden die Behandlungen in das System der Krankenhausfinanzierung eingebunden. Der Gesetzentwurf legt zugleich die Grundlagen für eine systematische Qualitätssicherung in der psychiatrischen und psychosomatischen Versorgung. Der Gemeinsame Bundesausschuss – das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen – wird darin verpflichtet, in seinen Richtlinien erforderliche Maßnahmen zur Sicherung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität einschließlich Indikatoren zur Beurteilung der Versorgungsqualität für diesen Bereich festzulegen.
Das neue Entgeltsystem soll den Angaben zufolge im Rahmen eines lernenden Systems mit einer vierjährigen Einführungsphase (budgetneutrale Phase) und einer fünfjährigen Überführungsphase (Konvergenzphase) bis zum Jahr 2022 eingeführt werden. In den ersten beiden Jahren der Einführungsjahren 2013 und 2014 können laut Gesetzentwurf die psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen das neue Entgeltsystem auf freiwilliger Grundlage einführen. Mit der langen Umstellungsphase werde den Einrichtungen ausreichend Zeit gegeben, sich auf die künftige Veränderung ihres Erlösbudgets einzustellen, heißt es in der Vorlage. Die langen Zeiträume der Ein- und Überführungsphase trügen auch den noch zu leistenden Entwicklungsarbeiten für das neue Entgeltsystem Rechnung. Das “Leistungsgeschehen” solle “transparenter” werden, schreibt die Regierung. Weiter heißt es, die Einführung des neuen Systems habe auf die gesetzliche Krankenversicherung insgesamt keine finanziellen Auswirkungen, da nicht mehr Mittel verausgabt werden als bisher. “Die Mittel werden zwischen den Einrichtungen lediglich stärker leistungsorientiert verteilt”, schreibt die Regierung.
In seiner Stellungnahme begrüßt der Bundesrat den Gesetzentwurf der Bundesregierung grundsätzlich. Die Vorschläge der Länder zielen im Kern darauf ab, “die finanziellen Steuerungsmöglichkeiten eines künftigen Entgeltsystems nicht allein zur Herstellung von mehr Kostentransparenz und zur Kostendämpfung im stationären Sektor zu nutzen, sondern mit geeigneten finanziellen Anreizen auch dem Ziel einer qualitativen Verbesserung der psychiatrischen, psychotherapeutischen und psychosomatischen Gesamtversorgung gerecht zu werden”. Die Regierung lehnt in ihrer Gegenäußerung zwar die meisten Einzelvorschläge ab, sagt aber zugleich zu, den Vorschlag der Länder im laufenden Gesetzgebungsverfahren zu prüfen, dass der Gemeinsame Bundesausschuss bei den zu beschließenden Maßnahmen zur Versorgungsqualität die Besonderheiten der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung berücksichtigen soll. (hib/MPI)
Betreuer-Kind-Verhältnis 2011 in Kindertageseinrichtungen leicht verbessert
13. März 2012 Aktuell Leave a comment
WIESBADEN | Das zahlenmäßige Verhältnis zwischen pädagogisch tätigen Personen und betreuten Kindern in Kindertageseinrichtungen hat sich in Gruppen mit Kindern im Alter bis 2 Jahre weiter verbessert. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, war zum Stichtag 1. März 2011 bundesweit in diesen Gruppen eine Betreuerin oder ein Betreuer für 4,7 Kinder verantwortlich. Ein Jahr zuvor lag das Betreuungsverhältnis bei 1 zu 5,0, im März 2007 hatte der Personalschlüssel noch 1 zu 5,7 betragen.
Im bundesweiten Vergleich – ohne Berlin – gab es im März 2011 das günstigste Betreuer-Kind-Verhältnis im Saarland (1 zu 3,2), in Bremen (1 zu 3,3) und in Rheinland-Pfalz (1 zu 3,4). Deutlich höher waren die entsprechenden Personalschlüssel in den ostdeutschen Bundesländern Sachsen (1 zu 6,0), Sachsen-Anhalt (1 zu 6,1) und Brandenburg (1 zu 6,2).
Die mit Abstand günstigste Entwicklung beim Personalschlüssel zwischen 2007 und 2011 gab es in Thüringen. Die Betreuer-Kind-Relation verringerte sich hier in der Gruppe der unter 3-jährigen Kinder von 1 zu 6,2 auf 1 zu 4,9. In Westdeutschland war die größte Veränderung in Baden-Württemberg festzustellen, wo sich der Personalschlüssel im gleichen Zeitraum von 1 zu 4,2 auf 1 zu 3,5 verbesserte.
Auch in Gruppen, in denen neben Kleinkindern im Alter von bis zu bis 2 Jahren ältere Kinder bis 7 Jahre (ohne Schulkinder) betreut werden, hat sich das zahlenmäßige Betreuer-Kind-Verhältnis verbessert. Während es bundesweit im März 2007 noch bei 1 zu 6,1 lag, betrug es vier Jahre später 1 zu 5,1.
Bei Gruppen mit Kindern im Alter von 2 bis 7 Jahren (ohne Schulkinder) lag das Betreuungsverhältnis zum Stichtag 1. März 2011 bundesweit höher, und zwar bei 1 zu 8,4. Im März 2007 versorgte eine pädagogisch tätige Person noch 9,1 Kinder.
Keine zusätzöichen Gelder für Pflegesystem notwendig
13. März 2012 Aktuell Leave a comment
Die Finanzlage der gesetzlichen Pflegeversicherung ist nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums mittelfristig gesichert. Dies teilt der Mediendienst Grieshaber mit. Dank der guten Beschäftigungslage und unerwarteter Beitragsmehreinnahmen braucht das Pflegesystem auf der Grundlage des geltenden Leistungsrechts bis 2015 keine zusätzlichen Gelder. Im vergangenen Jahr betrugen die Ausgaben der Pflegeversicherung 21,94 Milliarden Euro, die Einnahmen lagen um 300 Millionen Euro darüber. Die Pflegekassen verfügen derzeit über eine Rücklage von 5,43 Milliarden Euro und damit über mehr als das Fünffache der gesetzlichen Mindestreserve.
Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) bestätigte angesichts dieser Entwicklung, dass es außer der bereits eingeplanten Beitragsanhebung am 1. Januar 2013 keine weitere Beitragssatzerhöhung bis einschließlich 2015 geben werde. Nach den Plänen der Bundesregierung soll der Beitragssatz Anfang 2013 um 0,1 Prozentpunkt auf 2,05 Prozent vom Bruttolohn steigen, für Versicherte ohne Kinder auf 2,3 Prozentpunkte. Durch die Beitragssatzanhebung sollen vor allem Leistungen für Demenzkranke verbessert werden.
86 % der Pflegekräfte in Krankenhäusern sind weiblich
6. März 2012 Aktuell Leave a comment
WIESBADEN | Pflegekräfte im Krankenhaus sind meistens weiblich: Im Jahr 2010 waren nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) von insgesamt 406 000 Mitarbeitern im Pflegedienst 86 % Frauen.
Aber auch allgemein dominiert beim nichtärztlichen Krankenhausdienst weibliches Personal. Von 888 000 im nichtärztlichen Krankenhausdienst Beschäftigten im Jahr 2010 waren 713 000 (80 %) Frauen. Einzige Ausnahme bleibt der technische Dienst: mit einem Anteil von 93 % ist er weiterhin eine Männerdomäne.
Demenz: Gefährliche Medikamente
6. März 2012 Aktuell Leave a comment
BOSTON | Der Einsatz von Neuroleptika ist bei Demenzpatienten mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden. Dies berichtet das Online-Portal www.aerzteblatt.de. Die Gefahr könnte bei Haloperidol größer sein als bei anderen Neuroleptika, wenn man den Ergebnissen einer Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2012; 344: e977) folgt.
In den USA werden bis zu einem Drittel aller Bewohner von Pflegeheimen mit Neuroleptika behandelt. Der Verordnung liegen zumeist keine medizinischen Gründe zugrunde. Die „Ruhigstellung“ der Patienten erleichtert die Pflege und spart damit Kosten. Diese Praxis wird seit langem aus ethischen Gründen kritisiert.
In den letzten Jahren sind medizinische Bedenken hinzugekommen: Studien kamen zu dem Ergebnis, dass die Verordnung mit einem Mortalitätsrisiko verbunden ist. Die FDA veröffentlichte 2005 eine Warnung zu atypischen Neuroleptika, wonach diese Medikamente das Sterberisiko um 60 bis 70 Prozent erhöhen. Viele Heime wechselten daraufhin auf konventionelle Neuroleptika. Doch 2008 stellte die FDA klar, dass auch die konventionellen Neuroleptika das Sterberisiko erhöhen. Dies hat den Einsatz der Medikamente keinesfalls unterbunden, zu dem viele Pflegeheime keine Alternative sehen.
Experten: Altersgrenzen müssen kritisch hinterfragt werden
5. März 2012 Aktuell Leave a comment
BERLIN | Weitestgehend übereinstimmend haben sich Experten dafür ausgesprochen, die in Deutschland geltenden Altersgrenzen quer durch alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens auf den Prüfstand zu stellen. Die zehn geladenen Sachverständigen stellten sich in einer öffentlichen Anhörung am Montag Nachmittag den Fragen des Familienausschusses zu den Ergebnissen des Sechsten Berichts der Bundesregierung zur Lage der älteren Generation (17/3815).
Der Altersbegriff in Deutschland sei in Deutschland sehr stark vom Renteneintrittsalter abhängig, erläuterte der Sozial- und Rechtswissenschaftlers Thomas Klie von der Hochschule für Soziale Arbeit, Diakonie und Religionspädagogik der Evangelischen Landeskirche Baden. Dies sei aber unsinnig, da es den Fähigkeiten der Menschen nicht gerecht werde. Diese Ansicht unterstützte auch der Gerontologe Andreas Kruse von der Universität Heidelberg. Es sei nicht nachvollziehbar, wenn Arbeitnehmer vom Gesetzgeber in Rente geschickt werden, obwohl sie gerne freiwillig weiterarbeiten würden und dies auch leisten könnten. Es wäre zudem ein Vorteil für die Rentenkassen, wenn dies geändert werde, sagte Kruse. Dies würde auch zur Gerechtigkeit innerhalb einer Generation beitragen, weil somit die Rente für Menschen, die beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen früher in Rente gehen müssten, finanziert werden könnte. Die Diskussion dürfe nicht immer nur unter dem Aspekt zwischen den Generationen geführt werden, forderte Kruse.
Auch Christian Rolfs, Experte für Versicherungsrecht von der Universität Köln, plädierte für einen Abschied von überkommenen Altersgrenzen. Diese seien diskriminierend und in vielen Fällen auch mit geltendem Recht in der Europäischen Union nicht in Einklang zu bringen. Dies müsse allerdings auch für jene Altersgrenzen gelten, von denen Menschen unter Umständen profitieren. Dazu gehöre beispielsweise die verlängerte Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes für Menschen jenseits des 58. Lebensjahres oder die Altersrente für besonders langjährig Versicherte.
Andrea Gröppel-Klein, Marketingforscherin an der Universität des Saarlandes, führte an, dass die gängigen Altersbilder in der Gesellschaft sehr stark über die Medien und die Werbung transportiert werden. Sie verwies darauf, dass ältere Menschen in der Werbung noch immer eindeutig unterrepräsentiert seien. Gleichzeitig lasse sich aber ein Trend beobachten, dass sich dies langsam ändere. Auch Ursula Lehr, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren Organisationen, betonte, dass das medial vermittelte Bild nicht nur die Altersbilder in der Gesellschaft prägen, sondern vor allem das Selbstbild älterer Menschen.
Scharfe Kritik am Bericht zur Lage der Älteren übte die Soziologin Silke van Dyk von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. So seien geschlechtsspezifische Unterschiede im Bericht unterbelichtet. Dabei seien gerade Frauen von Altersbildern deutlich länger betroffen als Männer: zum einen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung und zum anderen, weil sie in der Gesellschaft um mehrere Jahre früher als alt wahrgenommen werden. Insgesamt konzentriere sich der Bericht zu stark auf die Frage, wie die Potenziale älterer Menschen genutzt werden können, bemängelte van Dyk. Fragen der sozialen Sicherung hingegen seien zu wenig beachtet worden.
Auch Barbara Riedmüller, ehemalige Leiterin des Arbeitsschwerpunktes Sozialpolitik und Komparatistik an der Freien Universität Berlin mahnte an, dass geschlechtsspezifische Altersbilder zukünftig stärker untersucht werden müssten. Die Medienwissenschaftlerin Caja Thimm bemängelte, dass der Altenbericht kulturelle Unterschiede weitgehend ausklammere. So lasse sich bei Frauen jenseits des 60. Lebensjahres mit Migrationshintergrund eine deutliche geringe Kompetenz beim Umgang mit den neuen digitalen Medien beobachten.
Lob für den Altenbericht äußerte der Vorsitzende des Kuratoriums Deutsche Altershilfe, Jürgen Gohde, für dessen Ausführungen zum Gesundheits- und Pflegebereich. Vor allem die Rehabilitation sei ein wichtiges Konzept, um die Teilhabe älterer Menschen an der Gesellschaft zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang äußerten mehrere Sachverständige Kritik am Begriff der “Pflegebedürftigkeit”. Dieser habe eine mitunter katastrophale Auswirkung auf das Altersbild in der Gesellschaft. (hib/AW)

